Rund 40% der über sechzig jährigen und rund 60% der über siebzig jährigen Deutschen leiden unter einem deutlichen Hörverlust. Auch wenn im Alter bei jedem Menschen das Hörvermögen durch natürliche Faktoren abnimmt, kann ein Übermaß an Hörbeeinträchtigung schwerwiegende Folgen haben. Gerade für ältere Menschen, denen berufliche Kontakte fehlen, ist die soziale Kommunikation mit Freunden und Bekannten besonders wichtig. Sie bietet nicht nur Abwechslung und Anregung, sondern auch Bestätigung und Lebensqualität.
Wer dagegen durch Schwerhörigkeit eingeschränkt ist, schämt sich oft, weil er dem Gespräch nicht folgen und somit auch nichts beitragen kann. Schlimmstenfalls entsteht soziale Isolation. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit an Altersdepressionen oder sogar (aufgrund mangelnder geistiger Reize) an Demenz zu erkranken. Im Straßenverkehr kann die eingeschränkte Wahrnehmung zudem dazu führen, dass Gefahren zu spät erkannt werden.
Diagnostik
Der Hörverlust entsteht einerseits durch Abnahme der Haarsinneszellen im Innenohr und andererseits durch den Verlust von Synapsen, wodurch die Verarbeitung der Reize behindert wird. Den ersten Schritt zur Diagnose stellt meist die Aufnahme eines Tonaudiogrammes dar. Dadurch kann festgestellt werden, ob der Hörverlust alterstypisch oder übermäßig stark ist. Meist folgen nach dieser Grunduntersuchung noch weitere Tests, um das Ausmaß des Hörverlustes zu differenzieren. Geprüft wird zum Beispiel auf ‚verlangsamtes‘ Hören (durch behinderte Reizübertragung im Ohr) und auf eingeschränktes Richtungshören. Auch ein Sprachtest kann Auskunft darüber geben, wie stark das Hörvermögen geschädigt ist.
Therapie
Die wichtigste Grundlage für verbessertes Hören ist der offene Umgang mit der eigenen Schwerhörigkeit. Dadurch haben Gesprächspartner die Möglichkeit durch langsames und lautes Sprechen dem Betroffenen das Verständnis zu erleichtern. Für den Alltag gibt es inzwischen zahlreiche technische Hilfsmittel (z.B. FM-Anlage fürs Fernsehen). Zu den bekanntesten unter ihnen gehören sicher die Hörgeräte, die heutzutage nicht nur Geräusche verstärken, sondern auch Störgeräusche herausfiltern können. Empfehlenswert sind sie vor allem bei peripherer Schwerhörigkeit (durch zu wenige Haarsinneszellen im Innenohr).
Angepasst werden Hörgeräte grundsätzlich von einem Hörakustiker. Die Kosten übernehmen in den meisten Fällen die Krankenkassen.
Bei mittlerer bis starker Schwerhörigkeit lassen sich auch Hörimplantate einsetzen, die von außen kaum wahrnehmbar sind. Sie stimulieren direkt das Innenohr und vermeiden dadurch Übertragungsverluste. Durch diese sogenannten Cochleaimplantate verstehen Betroffene bis zu 90% einer Aussage, auch dann, wenn sie den Sprecher nicht sehen können.
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